Wenn eine Niereninsuffizienz beim Hund festgestellt wurde, dann ist eine angepasste Ernährung ein wichtiges Element zur Unterstützung der Nieren. Eine sorgfältig zusammengestellte Nierendiät kann das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.
Oft hört man, eine „Nierendiät“ heißt pauschal Proteine reduzieren, doch es kommt viel mehr auf die Qualität, die Balance und die schrittweise Anpassung an.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie das funktionieren kann, wann du vorsichtig sein solltest und wie du eine sanfte Umstellung gestalten kannst.
Akute und chronische Niereninsuffizienz beim Hund
Es gibt zwei Formen von Nierenproblemen:
Die akute Niereninsuffizienz beim Hund(ANI), tritt plötzlich auf und wird meist durch Toxine, Medikamente, Infektionen oder starke Dehydratation ausgelöst. Hier ist die Ernährung kurzfristig ein Teil der Therapie, die medizinisch begleitet werden muss.
Die chronische Niereninsuffizienz beim Hund (CNI), ist die häufiger vorkommende Form. Bei der CNI geschieht der Verlust der Nierenfunktion allmählich und ist irreversibel. Die Diagnose ist schwierig und erfolgt daher oft sehr spät, denn erst bei einer Schädigung der Nieren von 60-70% gibt es dafür Anzeichen im Blutbild. Mittlerweile gibt es einen moderneren Marker – SDMA (Symmetrisches Dimethylarginin), der schon früher eine Nierenschädigung anzeigen kann, bevor die Werte von Kreatinin und Harnstoff überhaupt auffällig werden.
Symptome, die auf eine Niereninsuffizienz beim Hund hinweisen
Typische Symptome einer chronischen Niereninsuffizienz (CNI):
- Das Tier trinkt mehr und setzt mehr Urin ab (Polydipsie, Polyurie)
- Bei Hunden: nachts häufiger Harndrang
- Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
- Erbrechen
- Dehydration
- Das Fell ist stumpf und glanzlos
- Das Tier schläft mehr und zeigt manchmal Schwäche
- Mundgeruch
- Renale Anämie
Diese Symptome sind leider recht unspezifisch und werden gerade bei älteren Hunden, oft dem Alter zugesprochen, so dass eine Diagnose meist sehr spät erfolgt.
Gerade bei älteren Hunden ist daher ein regelmäßiges Blutbild, inkl. SDMA Wert sinnvoll.
Die zentrale Herausforderung einer Nierendiät: Proteine vs. Phosphor
Häufig wird im Zuge einer Nierendiät dazu geraten Proteine radikal zu reduzieren. Doch so eine pauschale Reduzierung von Proteinen ist nicht zielführend. Der Körper braucht Proteine zum Aufbau und Erhalt seiner Strukturen. Zu wenig Eiweiß schwächt zudem das Immunsystem und führt zu einer Reduktion der Enzymaktivität.
Daher sollte bei einer Nierendiät auf qualitativ hochwertige Proteinquellen zurückgegriffen werden. Proteine aus Schlachtabfällen und reine Strukturproteine solltest du vermeiden.
Im Anfangsstadium einer Nierenerkrankung kann man auf fettreichere Proteinquellen umstellen, denn fettreiches Fleisch ist ärmer an Protein und Phosphor.
Der Phosphorgehalt muss gesenkt werden. Zum Anfang kann es bei gebarften Hunden ausreichen, den Knochenanteil zu reduzieren oder ganz zu streichen. Wenn du die Knochen weglässt, dann musst du das Calcium anders ergänzen. Calciumverbindungen haben da den Vorteil, dass sie zugleich als Phosphatbinder wirken.
Da Organfleisch sehr phosphorreich ist, muss dessen Anteil reduziert werden.
Im fortgeschrittenen Stadium der CNI muss die Diät meist mit einem Phosphatbinder begleitet werden. Das ist in den frühen Phasen meist nicht nötig.
Weitere Bausteine der Ernährung bei einer Niereninsuffizienz beim Hund
Kalium
Häufig kommen bei einer CNI niedrige Kaliumwerte vor, daher kann eine Ergänzung nötig sein, um die Muskelfunktionen und das Herz gesund zu erhalten.
B-Vitamine & Wasserlösliche Vitamine
Durch den erhöhten Urinverlust gehen wasserlösliche Vitamine verloren und müssen ersetzt werden, insbesondere die B-Vitamine.
Wasser & Flüssigkeitszufuhr
Hunde mit einer Nierenproblematik müssen ausreichend trinken, daher muss die Trinkmenge erhöht werden. Um deinen Hund zum Trinken zu animieren kannst du etwas von dem Nassfutter im Wasser auflösen oder etwas Joghurt ins Wasser mischen.
Bitte misch dem Futter kein Wasser bei, das kann die Verdauung durcheinander bringen.
Salz
Salz, salzhaltige Brühe oder Würstchenwasser sollten vermieden werden, das es die Niere zusätzlich belastet.
Schritt-für-Schritt Futteranpassung bei Nierenerkrankungen beim Hund
Hier bekommst du einen möglichen Plan, wie du deinen Hund Schritt für Schritt umstellen kannst:
- Diagnose: Am Anfang steht die Diagnose. Du brauchst die Werte von Kreatinen, Harnstoff, SDMA und Phosphor. So kannst du einschätzen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
- Futterwahl: Trockenfutter belastet die Nieren zusätzlich. Setze auf ein hochwertiges Nassfutter oder passe deine BARF Ration entsprechend an.
- Futterumstellung (evtl): Solltest du auf ein neue Fütterungsart (z.B. von Trocken- auf Nassfutter) umstellen müssen, dann gehe dies bitte schonend an.
- Proteinqualität: Wähle eine hochwertige Proteinquelle mit einem guten Aminosäureprofil und einer möglichst geringen Phosphorbelastung. Vermeide minderwertige Proteinquellen.
- Fettreiche Proteine nutzen: Solange es die Werte erlauben, solltest du auf fettreiche Proteine setzen.
- Kohlenhydrate: Nutze Kohlenhydrate mit einem geringen Phosphorgehalt wie z.B. Kartoffeln und Reis.
Meide Haferflocken und Hirse, da sie viel Phosphor enthalten. - Organfleisch und Knochen reduzieren: Organfleisch nur gezielt einsetzen. Knochen möglichst ganz weglassen und Calcium separat ergänzen.
- Fette und Omega-3-Fettsäuren zusetzen. Nutze hochwertige Fette und setze auf Öle mit einem hohen Omega-3-Fettsäuregehalt. Vermeide pflanzliche Öle.
- Füttere mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, das entlastet den Stoffwechsel und hilft oft die Übelkeit zu bekämpfen.
- Beobachte und Kontrolliere: Regelmäßige Blutuntersuchungen, Gewicht, Kot und Wasseraufnahme geben dir die Hinweise, die du für weitere Anpassungen benötigst.
- Ergänzungen gezielt einsetzen: B-Vitamine, Kalium und Spurenelemente im Blick behalten und bei Bedarf ergänzen.
Eine Nierendiät ist keine zeitlich begrenzte Therapie, sondern eine dauerhafte Fütterung, die gut durchdacht sein sollte und deinem Hund so Lebenszeit und -qualität schenkt.
Möchtest du, dass die Fütterung deines Hundes zu seinen Nierenwerten und seinem aktuellen Zustand passt? Dann unterstütze ich dich sehr gerne persönlich! Buche einfach einen Termin für eine individuelle Futterberatung, gemeinsam stellen wir eine Ernährung zusammen, die deinen Hund bestmöglich unterstützt.
Produktempfehlungen
Nierenkräuter fördern die natürliche Nierenfunktion, unterstützen die Durchspülung und können helfen die Nieren zu entlasten.
FAQ: Ernährung bei Niereninsuffizienz beim Hund
Was sollte ein Hund mit Niereninsuffizienz fressen?
Er sollte ein Futter bekommen, das hochwertiges Eiweiß, wenig Phosphor und ausreichend Energie liefert. Meist eignet sich ein gutes Nassfutter oder eine angepasste BARF-Ration besser als Trockenfutter.
Soll ich bei Niereninsuffizienz weniger Protein füttern?
Nicht pauschal. Die Proteinmenge sollte nicht extrem reduziert werden, wichtiger ist die Qualität. Minderwertige Eiweißquellen belasten die Nieren stärker.
Welche Kohlenhydrate sind geeignet?
Kartoffeln und Reis sind gut verträglich und phosphorarm. Hirse und Hafer dagegen solltest du eher meiden, weil sie viel Phosphor enthalten.
Braucht mein Hund bei CNI einen Phosphatbinder?
Erst wenn die Blutwerte zeigen, dass Phosphor zu hoch ist. In frühen Stadien reicht oft eine angepasste Fütterung.
Wie oft sollte ein Hund mit Nierenproblemen fressen?
Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt entlasten den Stoffwechsel und helfen vielen Hunden gegen Übelkeit.
Sind Nierenkräuter sinnvoll?
Nierenkräuter können präventiv und auch unterstützend eingesetzt werden, um die Nierenfunktion zu unterstützen.
Wie viel sollte ein Hund mit Niereninsuffizienz trinken?
Er sollte immer Zugang zu frischem Wasser haben. Du kannst die Trinkmenge erhöhen, indem du etwas Nassfutter im Wasser auflöst.
Wann sollte ich eine Futterberatung buchen?
Wenn du unsicher bist, welche Proteinquellen, Fette oder Ergänzungen zu den aktuellen Blutwerten passen, lohnt sich eine individuelle Beratung. Eine angepasste Ernährung wirkt sich direkt auf Lebensqualität und Verlauf der Erkrankung aus.
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